Sonntag, 16. Dezember 2007

Wat is en Hamletmaschin’?


Wat ham mer denn dran? Ah, die müllersche Hamletmaschin’. Wat is en Hamletmaschin’? Da stell mer uns janz dumm. Und sagen en Hamletmaschin’ is en dünne schwarze Mann. Und der hat zwei Löcher im Kopp. In den einen geht der Geist rein und aus dem anderen kommt der Königsmord raus. Dat zweite kommt später, dat steht auch im Buch, wie überhaupt alles im Buch steht.

Walsers Schwarzschwan


Ein Stück, das angeblich „im Dialog“ mit „Hamlet“ stünde, soll Walsers “Schwarzer Schwan“ sein. Antiquarisch findet man gelegentlich eines von den Suhrkamp-TB. Erster Eindruck: Langweiliger, hysterischer Schrott, so unerträglich wie deutsches Fernsehen des Jahres 1964. Lesenswert hingegen sind Karaseks Erinnerungen an die Premiere annodazumal. „Der ewige Antisemit?“

„Im Dialog“ - ha! Als könnte Shakespeare antworten. Im günstigsten Fall ist ein „Aufspringen auf den Zug“, im Regelfall ein „Schmücken mit fremden Federn“ und was bleibt übrig, wenn man den Schwan gerupft hat? Noch nicht mal mehr ein Suppenhuhn!

Samstag, 15. Dezember 2007

Wahnsinn!

Jener Maniac, der Tobsüchtige, wie er schon bei Mk 5,2-5 prototypisch beschrieben wurde, fand sich auf dem Frontispiz der „Anatomy of Melancholy“ (Robert E. Burton,1621), die ich hier nur mal eben verlinken wollte. Wahnsinn!

Goethens Rip-Off


Dank gebührt Michael Thalheimer, der die billige, lahmarschige dramatische Struktur des „Faust“ in seiner Inszenierung für das Deutsche Theater so erbarmungslos offengelegt hat.
   Beeindruckend: die Reduktion der Walpurgnisnacht auf einen luftgitarrespielenden Faust zu Deep Purples „Child of Times“. Statt Myriaden von Stimmen Myriaden von Lichtreflexen.
   Davor: Der hamleteske Selbstmord-Monolog „Habe nun ach, ... blabla“ vs. „Sein oder nicht sein“.
   Danach: die wahnsinnige Schöne, Margarete-Ophelia, die ihr wirres Lied singt (Meine Mutter, die Hur / Die mich umgebracht hat! / Mein Vater, der Schelm, / Der mich gessen hat! / Mein Schwesterlein klein / Hub auf die Bein / An einem kühlen Ort; / Da ward ich ein schönes Waldvögelein, /Fliege fort, fliege fort! - Das Goethe bei den Grimms und somit bei P.O. Runge stahl. [H. Zimmermann])
   Nie war Goethens gescheiterter Versuch, Shakespeare zu übertrumpfen, so offensichtlich.

Nur freuen kann man sich auf den April 2008. Dann zieht Regisseur Thalheimer triumphierend ins Hamburger Thalia Theater ein, mit einer „Hamlet“-Inszenierung, die sich hoffentlich gewaschen haben wird. You'd better close your eyes and bow your head - And wait for the ricochet.

Freitag, 14. Dezember 2007

Wermut, Wermut

Absinth, Pflanze des Fin de siecle
Zuerst hielt ich „Wormwood, wormwood“ aus der Mausefalle, dem unerträglichen Stück im Stück, für ein simples Anglerutensil, ein Wurmholz. Ein Holz, das man schräg in den Erdboden steckt, mit den Fingern darauf trommelt, mit der Absicht die Regenwürmer heraus zu locken. - Aber dann war es doch das Kraut, der Wermut, Absinthium spec., heute Artemisia absinthium. (Diana-Verehrer Will hätte sich gefreut!) Seit biblischen Zeiten ist der Wermut ein Synonym für die Bitterkeit (chemisch: beta-Thujon). Leider macht diese Bedeutung „Das ist bitter!“ die Stelle III.2,178 nicht unbedingt verständlicher.

Eine Annäherung an das apokalyptische Kraut der Anti-Mütter versuchen Hassel, R. Chris, Jr. “Wormwood, Wormwood.” Deutsche Shakespeare-Gesellschaft West: Jahrbuch [no vol. #] (1993): 150-62. zitiert nach Hamlethaven.com. (Dort auch ein kleines Abstract.)

Die Wermut-Bibelstellen führt akribisch auf: Bibelpflanzen.de, ein Projekt des renommierten botanischen Fachverlags Ulmer.